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Historikerin im Martha-Maria-Archiv

Diakoniewerk
21.01.2026

Vor sechs Jahren hat die Historikerin Priscilla Pope-Levison im Archiv von Martha-Maria geforscht. Jetzt ist ihr Buch über methodistische Diakonissen weltweit erschienen. Das erste Exemplar hat sie kürzlich persönlich an Sr. Roswitha überreicht

Seit 20 Jahren forscht die Historikerin Priscilla Pope-Levison über Frauen, die in der sogenannten „Progressive Era“ als Evangelistinnen gewirkt haben. Diese Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war in den USA durch weitreichende soziale und politische Reformen geprägt, die als Reaktion auf die rasche Industrialisierung, Urbanisierung und Einwanderung entstanden. Kirchen – vor allem die methodistischen – waren dabei treibende Kräfte.

Prägende Frauen

In dieser Bewegung spielten Frauen eine herausragende Rolle: Sie kämpften für das Frauenwahlrecht, soziale Reformen und mehr Gleichberechtigung. Unter ihnen waren viele Methodistinnen – wie Anna Howard Shaw, Phoebe Palmer und Julia Foote, die in der methodistischen Heiligungsbewegung als Predigerinnen unterwegs waren. Sie agierten oft gegen den Widerstand männlicher Hierarchien und mussten fürchten, aus ihren Gemeinden ausgeschlossen zu werden. Foote wurde 1894 als eine der ersten Frauen der African Methodist Episcopal Zion Church (AMEZ) offiziell ordiniert.

Dabei hat Pope-Levison auch die Diakonissen-Bewegung entdeckt – und war begeistert. „Was mich wirklich umgehauen hat, ist der Mut dieser jungen Frauen“, sagt sie. „Sie kamen meist vom Land und wagten sich in die großen Städte, mitten hinein in das Elend der großen Städte, um zu helfen und mit den Menschen zu sein. Sie fühlten sich von Gott gerufen und sie brachten die Liebe Christi zu diesen Menschen.“

Weltweit vernetzt

Fasziniert habe sie auch, dass die Diakonissen über Länder, Kulturen und Kontinente hinweg vernetzt waren. „Die Ähnlichkeiten seien frappierend: Uniform, Lebensweise, Ausbildung“, sagt Pope-Levison. „Und das funktionierte ohne E-Mail oder Telefon! Sie haben sich gegenseitig besucht, viele waren in Kaiserswerth – dem Geburtsort der Diakonissenbewegung. Sie kannten sich untereinander, sie waren eine Gemeinschaft über weite Distanzen hinweg.“

Einen großen Unterschied hat sie herausgefunden: Während Diakonissen in Deutschland fast ausschließlich in der Pflege tätig waren, hatten Diakonissen weltweit ein größeres Wirkungsfeld – als Lehrerinnen, Pastorinnen, Dozentinnen.

Von Deutschland nach Cincinnati

Das Zentrum methodistischer Diakonissen in den USA war Cincinnati, der Geburtsort von Pope-Levison. Hierher kamen im Zuge der großen Einwanderungswellen auch viele deutsche Diakonissen und brachten ihre Lebensweise mit. 1896 wurde in Cincinnati die „German Methodist Deaconess Association“ gegründet. Sie war von Anfang an eng mit der Bischöflichen Methodistenkirche verbunden. Die Diakonissen engagierten sich in der Krankenpflege, Armenfürsorge und Kinderbetreuung und gründeten wichtige soziale Einrichtungen wie das Bethesda Hospital (1898), das heute eines der größten Krankenhäuser der Stadt ist.

Aus dieser Begeisterung ist Pope-Levisons neues Buch „No Man’s Land“ („Niemandsland“) entstanden, für das sie auch im von Ludwig Wolf geleiteten Archiv von Martha-Maria geforscht hat. Das erste Exemplar hat sie deshalb persönlich an Sr. Roswitha Müller und Sr. Renate Horn übergeben. „Als Dank für die große Gastfreundschaft und Offenheit“, wie die Historikerin betonte.

Das Foto zeigt (von links): Sr. Renate Horn, Sr. Roswitha Müller, Priscilla Pope-Levison und Ludwig Wolf.

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